Eine russische Hochzeit birgt Magie, wallende Gewänder, tosende Feiern und viel Wodka. Traditionell wird das Fest über zwei Tage gefeiert. Es ist geprägt von alten Traditionen und Bräuchen, die heute, wie auch in früheren Zeiten, zum festen Bestandteil einer Hochzeitsfeier gehören. Ein Moderator oder eine Moderatorin – genannt Tamada – begleitet die Hochzeitsgesellschaft durch die gesamte Feier und sorgt für die Unterhaltung.

Der ultimative Test für den Bräutigam – der Brautfreikauf (Swadba Wikup)

Bevor der Bräutigam seine Braut überhaupt zum Altar führen kann, muss er sie freikaufen. Am Morgen des Hochzeitstages erscheint er bei der Braut zuhause, um sie abzuholen. An der Haustür wird er bereits von Ihren Freundinnen erwartet. Diese fordern den Bräutigam auf, verschiedene Aufgaben zu erledigen und Fragen zu beantworten. Mit jedem bestandenen Test erhält er die Erlaubnis, einen Schritt näher zu seiner Braut gehen zu dürfen. Beantwortet der zukünftige Ehemann, welcher übrigens die Hilfe seines Trauzeugen in Anspruch nehmen darf, eine Frage falsch oder erledigt er eine Aufgabe nicht zur Zufriedenheit der Braut-Freundinnen, so muss er eine Strafe, in Form von einer Geldzahlung leisten. Sobald der Zukünftige seine Braut erreicht hat, darf er sie endlich mitnehmen und zum Altar führen.

Bei der Swadba Wikup handelt es sich um den wohl wichtigsten und traditionellsten Brauch bei russischen Hochzeiten.

Gorka, gorka, gorka

Zu den Hauptbeschäftigungen des frisch verbundenen Brautpaars zählt das Küssen. Das Signal hierzu geben Ihnen die Gäste, indem sie in regelmäßigen Abständen “gorka, gorka, gorka …” rufen. Das bedeutet wörtlich übersetzt “bitter” und fordert die Eheleute auf, sich zu küssen.

Der gestohlene Brautschuh

Irgendwann im Laufe der Hochzeit wird der Braut ihr Schuh gestohlen. Zumeist übernimmt die oder der Tamada die Aufgabe, aus der Hochzeitsgesellschaft geeignete und gewillte Schauspieler auszuwählen. Zusammen mit den zukünftigen Dieben verschwindet die Moderatorin beziehungsweise der Moderator hinter die Bühne. Die Hochzeitsgäste sollten im hiervon im besten Falle nichts mitbekommen. Die Schauspieler schlüpfen hinter den Kulissen in die präparierten Kostüme. Nach altem russischem Brauch handelt es sich hier um Verkleidungen, welche eine Meute Zigeuner darstellen sollen. Allerdings sind der Auswahl der Kostümierung keine Grenzen gesetzt. Auf manchen Hochzeiten ist die Diebesbande auch als Matrosen oder Piraten verkleidet.

Urplötzlich stürmt die Meute die Hochzeitsfeier, tanzt wild und schreit laut. Unauffällig schleicht sich ein Mitglied der Bande unter das Kleid der Braut und stiehlt ihr den Hochzeitsschuh. So plötzlich der Spuk begonnen hat, so schnell ist er wieder vorbei. Die Schuhräuber verschwinden mit dem Brautschuh, um kurz darauf mit ihrer Beute auf einem Tablett wieder aufzutauchen. Das Ziel der Langfinger ist klar: Die Hochzeitsgäste sollen den Schuh gegen gute Bezahlung auslösen. Als Gegenleistung für eine großzügige Spende bekommt jeder Gast ein Glas Wodka. Am Ende ist die Braut wieder glücklich, die Hochzeitsgesellschaft ein wenig ärmer und die Diebesbande zufrieden mit ihren Einnahmen.

Die Schleierabnahme durch die Brautmutter

Eine sehr alte Tradition bei russischen Hochzeiten findet am Ende der Feier statt. Die Braut und der Bräutigam werden mit dem Gesicht zueinander auf Stühlen, inmitten des Festsaals platziert. Die Hochzeitsgäste versammeln sich in Kreisform um die Vermählten, die sich an den Händen halten. Die Brautmutter nimmt der Braut nun den Schleier ab und übergibt ihn der Trauzeugin. Symbolisch ist der Lebensabschnitt als Tochter nun beendet und ein neues Kapitel an der Seite ihres Ehemanns kann beginnen.