Polen ist bekannt für tiefe religiöse Verbundenheit, Tradition und familiäre Nähe. All dies spiegelt sich in den Bräuchen einer polnischen Hochzeitsfeier wider und ist Kern der Trauzeremonie. Wichtiger Eckpfeiler für Braut und Bräutigam ist der Segen der Eltern, welcher erfolgen muss bevor das Paar sich vor den Traualtar begibt.

Hindernisse auf dem Weg zur Trauung

Der Weg zur Trauung verläuft in Polen für die zukünftig Vermählten nicht ohne Hindernisse. Straßensperren – sogenannte zastawa – stellen sich Ihnen in den Weg. Meist werden diese durch Freunde, Kollegen oder Nachbarn errichtet, die dadurch bezwecken wollen, dass der Bräutigam die Braut nicht so ohne weiteres aus dem gewohnten Umfeld “entführen” kann. Die Aufgabe des Bräutigams ist nun, über die Auslösung der Frau und somit der Öffnung der Straßensperren zu verhandeln. Je geschickter er dies anstellt, umso schneller kann der Weg zum Traualtar fortgesetzt werden. Die wirksamste Bezahlung an die Errichter der Sperren ist Wodka. Der zukünftig Vermählte sollte also stets darauf achten, dass er genug Flaschen der Spirituose in greifbarer Nähe hat. Sind die selbst ernannten Unterbinder der Vermählung, durch die flüssige Bezahlung besänftigt, gewähren sie die Weiterfahrt und geben dem Brautpaar Geschenke und Glückwünsche mit auf den Weg.

Ein Meer aus Blumen

Nach der Zeremonie schreitet das Brautpaar gemeinsam aus der Kirche und wird von der feiernden Gesellschaft empfangen. Jeder der Gäste überreicht der Braut Blumen, in Form von Sträußen oder Dekorationen. Die Trauzeugen haben hierbei die Aufgabe, der Braut die Blumengeschenke abzunehmen. Bei der meist großen Anzahl von Gästen ist gut vorstellbar, dass durch dieses Ritual ein Meer aus Blumen entsteht. Die Sträuße und Gestecke finden sich anschließend in der Feierörtlichkeit in Form von Dekorationen wieder.

Wer sammelt die meisten Münzen?

Neben den Blumengeschenken erwartet das Ehepaar beim Auszug aus der Kirche noch eine weitere Aufgabe: Die Gäste werfen Ihnen kleine Münzen zu. Diese müssen von den Eheleuten aufgesammelt werden. Der Brauch sagt, dass derjenige, welcher die meisten Münzen aufsammelt, in der Ehe das Sagen haben wird. Angesicht des Umfangs des Brautkleides wird es dem Bräutigam sicher leichter fallen, eine ganze Menge Münzen einzusammeln.

Brot und Salz – Symbol für Wohlstand in der Ehe

Bevor die frisch Getrauten die Feier Location betreten, erwartet sie eine Begrüßung mit Brot und Salz. Sie essen ein Stück von dem Brot und spülen es mit Wodka oder Wein hinunter. Dieses Brauchtum soll symbolisieren, dass es dem Paar in Zukunft an nichts mangeln wird. Nach dem Essen des Brotes kosten die Eheleute eine Prise von dem Salz. Der Geschmack soll in Erinnerung rufen, dass es im Leben nicht nur angenehme Situation geben wird. Das Ritual ist in Polen bei Hochzeiten fester Bestandteil und nicht wegdenkbar. Selbst junge Leute, welche ihre Hochzeit modern gestalten, greifen gerne auf diese Tradition zurück.

Auch Glasscherben bringen Glück – das Gläser werfen

Die Gläser, aus denen das Brautpaar den Wodka oder Wein getrunken hat, um das Brot hinunterzuspülen, werden über die Schulter geworfen. Je mehr Scherben entstehen, umso besser, denn die Anzahl der Scherben bestimmt die Zahl der zukünftigen, glücklichen Ehejahre. Selbstverständlich muss das zersprungene Glas von Braut und Bräutigam weggefegt werden, bevor diese den Hochzeitssaal betreten und mit dem Feiern beginnen dürfen.

Auf polnischen Hochzeiten scheppert es fast ununterbrochen. Das Gläser werfen zieht sich durch den gesamten Hochzeitstag. Bei einem, ebenfalls auf polnischen Hochzeiten beliebtem, Ritual trinken Braut und Bräutigam ab dem Beginn der Feier aus zwei durch ein Bändchen verbundene Gläser. Die Verbindung der Gläser stellt das frische Bündnis der beiden Brautleute dar. Das Gläserpaar, welches das Paar zum ersten Anstoßen benutzt, wird gleichzeitig von beiden über die Schultern geworfen. Das Glas, das dabei als Erstes zerspringt, soll bestimmen, um welches Geschlecht es sich beim ersten Kind der Ehepartner handeln wird.