Kurze Hochzeitsgedichte

Schöne, kurze Hochzeitsgedichte – für Karten, Reden, Gästebücher.

Irrtum

von Wilhelm Busch

Ein Irrtum, welcher weit verbreitet
und manchen Jüngling irreleitet, ist der,
dass Liebe eine Sache,
die immer viel Vergnügen mache.

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von Friedrich von Logau

Seid glücklich hier und dort; seid selig denn gepreist,
Ihr, die man heute Braut und Bräutigam euch heißt!
Seid morgen Mann und Frau, seid Eltern übers Jahr;
So habt ihr denn erlangt, was zu erlangen war.
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Wer je gelebt in Liebesarmen

von Theodor Storm

Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müßt‘ er sterben fern, allein,
Er fühlte noch die sel’ge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

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Ihr seid nun eins, ihr beide

von Johann Wolfgang von Goethe

Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des guten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt
durch Streit und Zwietracht werde
nie euer Bund zerstört.

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Die Liebe …

von Matthias Claudius

Die Liebe hemmet nichts;
Sie kennt nicht Tür noch Riegel
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel
Und schlägt sie ewiglich.

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von Heinrich Heine

Hat versalzen dir die Suppe
deine Frau, bezähm die Wut,
sag ihr lächelnd: „Süße Puppe,
alles, was du kochst, ist gut“.

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Verfasser unbekannt

Ein Herz ist groß, das andre klein,
wie sollt’s im Leben anders sein,
als daß die Waage sich bewegt,
zu einer Seite hin ausschlägt.
Mal ist man oben, mal auch unten,
ein Glück, wer einen Mensch gefunden,
der ihm von unten holt nach oben,
den Menschen sollt man immer loben!

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Der schönste Anblick

von Justinus Kerner

Schön ist’s, wenn zwei Sterne nah sich stehn am Firmament,
Schön, wenn zweier Rosen Röte ineinander brennt.

Doch in Wahrheit! Immer ist’s am schönsten anzusehn:
Wie zwei, so sich lieben, selig beieinander stehn.



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von Wilhelm Busch

Der eine tuts um die Dukaten,
der zweite um ein hübsch Gesicht,
der dritte darf nicht länger warten,
der vierte, weil Mama so spricht.
Der fünfte will sich einmal setzen,
der sechste ist nicht gern allein,
der siebte hofft, sich zu ergötzen,
der achte möcht auch einmal frein,
beim neunten sind es Mitleidstriebe,
doch ihr – ihr heiratet sicher nur aus Liebe.

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von Georg Hick

Wenn sich im tiefsten Herzensgrund
zwei Menschen still begegnen,
dann schließen sie den heil’gen Bund,
den Engel Gottes segnen.
Der einzige Moment genügt,
auf ewig sich zu kennen.
Und was sich so zusammenfügt,
vermag nur Gott zu trennen.

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von Friedrich Hebbel

Wir träumten von einander und sind davon erwacht,
wir leben, um uns zu lieben, und sinken zurück in die Nacht.
Du tratest aus meinem Traume, aus deinem trat ich hervor,

wir sterben, wenn sich eines im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern zwei Tropfen, rein und rund,
zerfließen in eins und rollen hinab in des Kelches Grund.

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von Christian Morgenstern

Wer doch den trüben Wahn erfunden,
dass keine Seele glücklich sei!
Ich war’s; ich bin’s! in reichen Stunden
von aller kleinen Trübsal frei.

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von Friedrich Schiller

Ach! Des Lebens schönste Feier,
Endigt auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier,
Reißt der schöne Wahn entzwei.
Die Leidenschaft flieht!
Die Liebe muss bleiben,
Die Blume verblüht,
Die Frucht muss treiben.

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von Friedrich Rückert

Ich weiß, daß mich der Himmel liebt,
Weil du mich liebst, mein Leben!
Daß er mir meine Schuld vergibt,
Weil er dich mir gegeben.

Ja, weil du schwörst, daß ohne mich
Kein Glück dir könne lachen,
Muß, um zu machen glücklich dich,
Der Herr mich glücklich machen.

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von Theodor Fontane

Und ging auch alles um und um,
in dir, in mir, ich lieb‘ dich drum,
ich lieb‘ dich drum, weil du mir bliebst,
ich lieb‘ dich drum, weil du vergibst,
ich lieb‘ dich, – ach warum „Warum“?
Und blieb‘ auch meine Lippe stumm,
ich lieb‘ dich drum‘, weil du mich liebst.

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