Golden, silbern, eisern, ehern

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von Franz Grillparzer

Golden, silbern, eisern, ehern
nennt die Alter man der Welt,
und zum mindern von dem Höhern
schreitet fort sie, wird erzählt.

Doch der Mensch in unsern Tagen
sieht die Alter sich verkehrt:

Jugend, die schon Sorgen plagen,
zeigt nur eisern ihren Wert.

Erzgewappnet geht das Leben,
selbst die Liebe wird zum Streit,
und dem stets erneuten Streben
liegt der Ruhe Glück so weit.

Erst nach durchgekämpften Jahren
lacht das Schicksal wieder hold,
und mit Silber in den Haaren
wird die Zeit, die Ehe – Gold.
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Wenn die Hochzeitsglocke läutet
hör‘ ich immer gerne zu,
denn ich weiß ihr Klang bedeutet:
Heut ist „Lebensrendezvous“.

Grüne Hochzeit feiern viele,
silberne gibt es auch im Land,
doch zum fünfzigjährigen Ziele
sind die wenigsten im Stand.

Fünfzig Jahre Eheleben
fest vereint in Glück und Leid,
immer nur das Beste geben,
ist schon keine Kleinigkeit.

Was ihr beide nun vollendet,
liebes Goldne Ehepaar,
hat der Herrgott euch gespendet
als sein Treue-Honorar.

Gab es auch manch schwere Stunde,
blies der Sturm um euer Haus,
mit euch ist das Glück im Bunde,
jedenfalls sieht es so aus.

Für die kommenden Zeiten
sei euch bescheret alles Gute
Das Glück soll weiter euch begleiten,
auch zu Neuem fehle nicht der Mute.

Habt noch viele schöne Stunden,
auch noch manchen Höhenflug,
bleibt solang in Lieb verbunden,
bis Gott sagt: „Jetzt ist es genug.“




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